Kreissynode des Ev. Kirchenkreises Dinslaken tagte in Hünxe

Sich den Herausforderungen des Wandels stellen

Bei ihren Verhandlungen am 10. Mai sind die Delegierten der acht Gemeinden des Ev. Kirchenkreises Dinslakenweitere Schritte auf dem 2017 begonnen Weg zu einer Profilschärfung des Kirchenkreises gegangen. In seinen einleitenden Worten betonte Superintendent Friedhelm Waldhausen die Notwendigkeit des immer neuen Wandels von Kirche: „Kirche hat sich den Herausforderungen des Wandels grundsätzlich zu stellen. … Denn nur wer die Initiative behält, bleibt handlungsfähig.“

Die von der Synode beauftragte AG Priorisierung entwickelte mit den Abteilungen des Kirchenkreises zusammen Schritte, die die Zukunftsfähigkeit auf den verschiedenen Ebenen sichern soll:

So bekannte sich die Synode noch einmal ausdrücklich zur Arbeit des Kindertagesstättenverbundes „Ev. Kinderwelt“ und begrüßte die Aufnahme der letzten noch nicht zum Verbund gehörenden Kita in Gahlen (Pestalozzistraße). Sie dankte sowohl der Verwaltung des Verbundes für die durch neue Kindergartengesetze immer komplizierte werdende Führung der Einrichtungen und genehmigte dazu vorgelegte Beschlüsse. Aber sie dankte auch der pädagogischen Leiterin Monika Engfer für die gute pädagogische Begleitung der Arbeit.

Ein weiteres wichtiges Standbein des Kirchenkreises ist das Diakonische Werk mit seinen zahlreichen Arbeitsbereichen. Derzeit ist das Spektrum der nahezu 30 Handlungsfelder aber in verschiedenen parallel nebeneinander existierenden Strukturen organisiert (Diakonisches Werk, Diakonieverein, Betreuungsverein u.a.). Um Kosten zu sparen und die Effizienz zu steigern, begrüßte die Synode darum den Antrag der Geschäftsführerinnen der Diakonie, Alexandra Schwedtmann und Nicole Mehring, nach einer neuen Organisationsform bzw. Rechtsstruktur für die diversen Teile der Diakonie zu suchen (gGmbH, Verein o.ä.). Außerdem genehmigte die Synode eine Anschubfinanzierung zum Ausbau des Ambulant Betreuten Wohnens und der Jugendhilfe in Höhe von 30.000 €.

Auch und gerade am Bereich der Öffentlichkeitsarbeit wurde den Synodalen die Notwendigkeit deutlich, sich dem Wandel zu stellen und dem veränderten Nutzerverhalten im Bereich Print, Internet und Social Media Rechnung zu tragen. Stefan Koppelmann, Öffentlichkeitsreferent des Ev. Kirchenkreises Essen, schilderte die Veränderungen eindrücklich durch Zahlen: Er nannte massiv rückläufige Abonnentenzahlen bei den Tageszeitungen, das Verhalten jüngerer Generationen gegenüber digitalen Informationsquellen und Social Media. Unter der Frage: „Wo wollen wir heute, morgen und übermorgen unsere Geschichten erzählen?“ erläuterte er eindrucksvoll, wie der Kirchenkreis Essen heute schon neben dem traditionellen Verfassen von Presseartikeln über soziale Netzwerke Einblicke in kirchliches Leben vermittelt: mit Geschichten aus Kitas, aus Gemeinden, aus Diakonie, aus dem Krankenhaus … . Es gehe darum, so Koppelmann, „mindestens einmal täglich die Menschen mit einer Geschichte von Kirche zu berühren“. Um die Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreises in diesem Sinne umstrukturieren zu können, bewilligte die Synode eine Anschubfinanzierung in Höhe von 50.000 €.

Nicht zuletzt konnte die AG Priorisierung aber auch Dank Umstrukturierungen und Pensionierungen auf finanzielle Einsparungen verweisen. Sie belaufen sich ab den kommenden 2-3 Jahren jährlich auf 600.00€ bis 650.000€, die den Gemeinden für ihre Arbeit zur Verfügung stehen werden.

Ruth Levin

Buchvorstellung

„Denk ich an Israel …“ Annäherungen an ein besonderes Land

Jürgen Leipner stellt sein neues Israel-Buch vor

Jürgen Leipner, langjähriger Synodalbeauftragter für das christlich-jüdische Gespräch im Ev. Kirchenkreis Dinslaken, will mit seinem Buch Einblicke in die komplexe Wirklichkeit des Landes Israel geben. Der Autor blickt nicht nur auf die jüdische Seite Israels, sondern auch auf die palästinensische. Sein besonderes Anliegen ist es, die Dialogarbeit in verschiedenen Einrichtungen darzustellen, die eine Begegnung von jüdischen und arabischen Israelis ermöglicht, wie sie sonst im täglichen Leben in Israel nicht möglich ist.

So erzählt er u.a. von dem Juden Rami Elhanan, der nach dem Tod seiner 14 Jahre alten Tochter nicht seinem Hass nachgab, sondern im „Parents‘ Circle“ auch palästinensische Leidensgenossen traf und mit ihnen zu trauern lernte. Seitdem ist er „entschlossen, den tödlichen Kreislauf von, Gewalt, Mord, Vergeltung und Bestrafung zu beenden, denn da gibt es keine Sieger, nur Verlierer.“

Jürgen Leipner stellt seine Beobachtungen und Erfahrungen von zehn Reisen nach Israel in bestimmten Themen zusammen:

Jerusalem mit seinen heiligen Stätten für Juden, Christen und Moslems steht am Anfang im Blickpunkt. Dabei wird besonders das religiöse Leben der Juden an ihrem Pessach Fest dargestellt. Die gegenwärtige Wirklichkeit stellt Leipner aber an der „Trennungsmauer“ dar, die die Westbank auch bei Jerusalem einschließt.

Fünf Orte werden in Portraits vorgestellt, die zeigen, wie die Gegenwart durch die Geschichte geformt wurde: Bethlehem, die Gemeinschaftssiedlungen Schawe Zion, Lochame haGetaot und Newe Shalom/Wahat al-Salem, sowie Nes Ammim.
In diesen Abschnitten wird immer Bezug genommen auf Hintergrundtexte, die im Anhang zusammengestellt sind. In ihnen werden u.a. Fragen nach der israelischen Siedlungspolitik, nach dem Oslo-Friedensprozess und der Demokratie in Israel gestellt. Texte fremder Autoren ergänzen das Bild der Wirklichkeit in Israel.

Eine Auswahl von Fotografien von Wanderungen in Israel, z. B. im Wadi Qelt, am Dan und am See Genezareth, lädt ein zu einer Begegnung mit diesem herrlichen Land.
Das Anliegen von Jürgen Leipners Buch, das seinen Focus bei der jüdisch-palästinensischen Dialogarbeit setzt, fasst ein Kursteilnehmer der Friedensschule SEP wohl am besten zusammen: „Auf einmal saß ich mit Leuten zusammen, die ich sonst nie getroffen hätte, mit dem Feind. … Plötzlich siehst du hinter deinem Feind-Bild ein menschliches Wesen.“

Am 6. Oktober um 17 Uhr wird Jürgen Leipner sein Buch im Ev. Gemeindehaus an der Duisburger Str. 72 in Dinslaken vorstellen.

Jürgen Leipner - „Denk ich an Israel …“ Annäherungen an ein besonderes Land, Eigenverlag
49 €

Engel auf Zeit gesucht

Wellcome Dinslaken sucht engagierte Ehrenamtliche für Betreuung von Familien mit Neugeborenen

Das Baby ist da, die Freude ist riesig – und nichts geht mehr. Mütter werden heutzutage nach wenigen Tagen aus der Klinik entlassen. Zuhause beginnt – trotz aller Freude über das Baby – der ganz normale Wahnsinn einer Wochenbettfamilie: das Baby schreit, niemand kauft ein, das Geschwisterkind ist eifersüchtig und der besorgte Vater hat keinen Urlaub mehr. Gut, wenn Familie oder Freunde in der ersten Zeit unterstützen können.

Wir suchen Freiwillige, die Freude und Erfahrung im Umgang mit Säuglingen und Kleinkindern sowie Lust haben, junge Familien zu unterstützen. Als wellcome-Ehrenamtliche unterstützen sie Familien mit Kindern im ersten Lebensjahr individuell und alltagspraktisch. Für einen Zeitraum von ca. 3 bis 5 Monaten besuchen sie "ihre Familie" ca. ein- bis zweimal wöchentlich und helfen, die neue Situation zu meistern.

Wellcome-Ehrenamtliche fahren beispielsweise das Baby spazieren, damit die Mutter ausruhen kann, sie begleiten die Zwillingsmutter zum Kinderarzt, holen das Geschwisterkind von der Kita ab oder sind einfach da und hören zu. Nach einem Kennlerngespräch mit der wellcome-Koordinatorin Kathrin Bay erhalten die Ehrenamtlichen fachliche Begleitung, Fortbildungen und Möglichkeiten des Austauschs im Rahmen regelmäßiger Ehrenamtstreffen. Die anfallenden Fahrtkosten werden erstattet und es besteht selbstverständlich Versicherungsschutz.

Damit viele Mütter mit Babys diese Hilfe in Anspruch nehmen können, werden Frauen gesucht, die Freude am Umgang mit Kindern haben und über ein besonderes Einfühlungsvermögen verfügen.

Sie fühlen sich angesprochen?

Dann melden Sie sich bitte:

Wellcome Dinslaken, Diakonieverein e.V., Kathrin Bay, 02064/60 649-13, dinslaken@wellcome-online.de

Kirche neu denken - Synode des Ev. Kirchenkreises Dinslaken tagte in Götterswickerhamm

Die Veränderungen, vor denen die Evangelische Kirche und damit auch der Kirchenkreis Dinslaken stehen, sind immens. Dieses Thema zog sich wie ein roter Faden durch die Verhandlungen der Kreissynode am 10. Und 11. November im Götterwickerhammer Gemeindehaus.

Schon im Bericht des Superintendenten zu Beginn der zweitägigen Verhandlungen des Kirchenparlamentes klang es an: Superintendent Friedhelm Waldhausen wies auf den eklatanten Nachwuchsmangel bei Theologinnen und Theologen hin. Er führte der Synode vor Augen, dass in 5-6 Jahren, wenn die geburtenstarken Jahrgänge der Pfarrerschaft in den Ruhestand gehen, die Kirchengemeinden „um die wenigen Bewerberinnen und Bewerber konkurrieren werden. Das wird die bisherige Autonomie der Gemeinden bei der Pfarrwahl infrage stellen. Waldhausen fragte: „Wie viel Steuerung ist angesichts dieser erwarteten Entwicklung nötig? Und…in wessen Verantwortung soll diese Steuerung liegen?“ Fragen an die presbyterial-synodale Struktur der rheinischen Kirche.
?Auch Oberkirchenrätin Barbara Rudolph, die neue Kirchenkreisbegleiterin für den Kirchenkreis Dinslaken seitens der Kirchenleitung in Düsseldorf, griff in ihren Worten an die Synode die anstehenden gewaltigen Veränderungen der Kirche auf: „Wir müssen uns deutlich machen: Wir werden an Personen, Finanzen und Einfluss kleiner werden.“ Auch die Frage einer gerechteren Verteilung der Kirchensteuern sei kein Tabu. Der bisherige Finanzausgleich zwischen den Kirchenkreisen der Rheinischen Landeskirche werde überprüft: danach geben Kirchenkreise mit höherem Steueraufkommen einen Teil ihrer Mehreinnahmen an „ärmere“ Kirchenkreise ab, behalten aber immer noch einen Teil ihrer höheren Einnahmen für sich. Wäre da eine völlig gleiche Zuweisung der Steuern an alle Kirchenkreise nicht gerechter? fragte  die Oberkirchenrätin. Ende der Diskussion offen.
Gegen die Umverteilung der Kirchensteuern an ärmere Kirchenkreise regt sich schon jetzt bei manchen Gemeindemitgliedern Unmut. Die Meinung: „Ich spende mein Geld lieber an kirchliche Projekte, die ich mir selber aussuche, anstatt Kirchensteuern zu bezahlen“ ist längst keine Seltenheit mehr. Doch diese Haltung stößt bei einigen Synodalen auf scharfe Kritik. Sie fragen: Ist das nicht eine Art von modernem Ablass, wenn ich mich aus der Solidargemeinschaft ausklinke und mich freikaufe von der Steuerpflicht durch Spenden? Geht über dieses Pochen auf Individualität nicht der kirchliche Auftrag zur Solidarität verloren?
Um angesichts dieser massiven Veränderungen den Kirchenkreis zukunftsfähig aufzustellen, beauftragte die Synode den Kreissynodalvorstand, also die ständige Vertretung der Synode, mit der Bildung einer Arbeitsgruppe, die Schneisen für die Zukunft schlagen soll: In welchen Handlungsfeldern soll der Kirchenkreis sein Engagement beibehalten, wo muss etwas verändert werden und welche Handlungsfelder sollen zukünftig eingeschränkt oder eingestellt werden? Die Arbeitsgruppe soll bis zur Herbstsynode 2018 der Synode Ergebnisse zu Beratung vorlegen.
Bei zwei Arbeitsfeldern sprachen die Synodalen sich schon in diesem Jahr für eine weitere Unterstützung aus: Das Psychosoziale Zentrum Niederrhein am Dinslakener Bahnhof, in dem Flüchtlinge und Migranten beraten werden, soll für zwei weitere Jahre mit jährlich 15.000 € finanziell unterstützt werden. Und die Einrichtung einer refinanzierten Pfarrstelle in der JVA-Dinslaken (Umfang 25%) wurde von der Synode positiv entschieden. Diese Stelle wird Pfarrerin Antje Reichow ab 1.2.2018 übernehmen. Mit einer weiteren Viertelstelle wird sie gemeindliche Aufgaben im Kirchenkreis übernehmen.
Alle anderen Tagesordnungspunkte der Synode waren eher Routine: Die Verhandlungen des neuen Haushaltes für Kirchenkreis, Diakonie und Kinderwelt und die Kenntnisnahme der Tätigkeitsberichte aus den Kirchengemeinden, den diakonischen Handlungsfeldern, der Kinderwelt, den Fachausschüssen und den synodalen Arbeitsfeldern vom christlich-islamischen Gespräch bis zur Telefonseelsorge.

Ruth Levin

Foto ekir.de