Zum Gedenken an das Judenpogrom in Dinslaken am 10.11.1938

"Nun lebt man Jahrzehnte mit der Erinnerung und Scham, dass es möglich war …" (Paul Jacobs)

"Am 9. November 2018 wird sich zum 80. Mal die Reichspogromnacht von 1938 jähren. Damals brannten in Deutschland 1400 Synagogen, Gebetsräume und weitere jüdische Versammlungsstätten. Mehrere tausend Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört, beziehungsweise geschändet. 400 Juden wurden ermordet oder in den Suizid getrieben. In den folgenden Tagen wurden 30.000 Juden in Konzentrationslager verschleppt. Hunderte verloren dort in kurzer Zeit ihr Leben. Dieses Novemberpogrom war der von den Nationalsozialisten verordnete und lückenlos geplante Übergang von der Diskriminierung und Ausgrenzung zur systematischen Verfolgung der Juden. Es handelte sich nicht, wie von den Nazis verbreitet, um einen Volksaufstand, sondern um Staatsterror, der zur Shoah und zur Ermordung von sechs Millionen Juden führte." ( Dr. Johannes Gerster, MdB).

Auch in Dinslaken gab es Zerstörung, Verhaftungen, Gewalt und Deportationen. Daran erinnern – zum Teil noch unveröffentlichte – Texte, die vor allem die Ereignisse rund um das ehemalige jüdische Waisenhaus bei diesem Pogrom beschreiben. Anne Prior vom Stolpersteine für Dinslaken e.V. hat diese Texte entdeckt, zusammengestellt und übersetzt.

Bei der Veranstaltung am Sonntag, dem 11. November in der Ev. Stadtkirche Dinslaken (Duisburgerstr. 9 ) werden die Texte vom Intendanten der Burghofbühne Mirko Schombert und von Nadja Blank ( Dramaturgin der Burghofbühne ) gelesen. Die musikalische Ausgestaltung der Veranstaltung hat die Pianistin Gabriele Kortas-Zens übernommen.

Das Gedenken beginnt um 17.00 Uhr. Veranstalter sind der Fördervereins Kultur und Ev. Kirche in Dinslaken e.V. und der Stolpersteine für Dinslaken e.V.. Die Veranstaltung wird    mitgetragen durch die Ev. Kirchengemeinde Dinslaken und die Katholische Kirchengemeinde St. Vincentius. Der Eintritt ist frei.
 

Frieden geht anders - aber wie?

„Frieden geht anders“ ist eine Wanderausstellung, die im Jahr 100 nach dem Ende des Ersten Weltkrieges in Dinslaken halt macht. Die Ausstellung wird verantwortet vom Evangelischen Kirchenkreis in Kooperation mit dem Gemeindedienst Mission und Ökumene am Niederrhein.

„Da hilft nur noch Militär!“

So lautet häufig die medienwirksam vorgebrachte Forderung, wenn ein gewaltsamer Konflikt soweit eskaliert ist, dass Menschenrechte massiv verletzt werden, Opferzahlen steigen und Flüchtlingsströme nicht mehr ignoriert werden können. Doch die Erfahrung zeigt, dass der Einsatz kriegerischer Mittel die Situation meist verschlimmert: Tod, Zerstörung und viele weitere Opfer sind die Folgen.

Krieg ist keine Lösung.

Mit der Ausstellung "Frieden geht anders!" wird anhand von neun konkreten Konflikten aufgezeigt, wie mit unterschiedlichen gewaltfreien Methoden Kriege und kriegerische Auseinandersetzungen verhindert oder beendet werden konnten.

Die Beispiele stammen aus unterschiedlichen Weltregionen, doch die angewendeten Methoden sind grundsätzlich überall einsetzbar. Es liegt immer an den handelnden Personen, also durchaus auch an uns selbst, ob sie ergriffen werden.

Das Programm zu den multimedialen Ausstellung und den vielen verschiedenen Veranstaltungen können Sie dem Flyer (Auswahl) sowie der beigefügten ausführlichen Zusammenstellung entnehmen.

Die feierliche Eröffnung der Ausstellung findet am 14.8. um 18 Uhr in der Friedenskirche, Rotbachstr. 162 in Dinslaken statt.

Die Ausstellung ist sonntags von 14-17 Uhr für alle geöffnet.

Highlights der Veranstaltung sind sicher:

17.11., 19 Uhr: Okko Herlyn und Heike Kehl mit dem Programm „Und ich begehre, nicht Schuld daran zu sein“
22.11., 19 Uhr: Referat des Flüchtlingspfarrers i. R. G. Greiner mit Diskussion „Wohin geht die Flüchtlingspolitik?“
26.11., 19 Uhr: Podiumsdiskussion mit Bürgermeister Dr. M. Heidinger und Vertretern der Zivilgesellschaft

Weitere Veranstaltungen, Vorträge und Aktionen zum Thema finden Sie hier

Kirchenkreis will sein Profil schärfen

Kreissynode tagt am 12. und 13.10. in Walsum-Aldenrade

„Wofür stehen wir im Ev. Kirchenkreis Dinslaken und wofür nicht?“ wird Superintendent Friedhelm Waldhausen in seinem diesjährigen Bericht zur Kreissynode fragen. Es geht um das Profil des Kirchenkreises. Bei der Vorjahressynode hatten die Synodalen der ständigen Leitung des Kirchenkreises, dem Kreissynodalvorstand, einen Auftrag erteilt:  sie sollten das breite Spektrum der Handlungsfelder in Kinderwelt und Diakonie sowie bei den anderen Arbeitsgebieten von Kirchenmusik bis Notfallseelsorge unter die Lupe zu nehmen und zu fragen: Für wen wollen wir zukünftig da sein? Welche Angebote wollen wir vorhalten und welche nicht? Was können und wollen wir uns in Zukunft als Ev. Kirche zugunsten der Menschen in der Region noch leisten?

Aber die Vorstellung, man könne bei der einen oder anderen Einrichtung den Rotstift ansetzen, rückte bald in den Hintergrund. Vielmehr hatte die intensive Auseinandersetzung der Arbeitsgruppe „Priorisierung“ mit dem, was die Mitarbeitenden in Diakonie, Kinderwelt und Kirchenkreis leisten, einen ganz anderen Effekt. Sie erhielten Einblick in das große Spektrum an professioneller Arbeit und in das große Engagement der Mitarbeitenden. Darum wird auf der Synode die Diskussion des Haushaltes 2019 diesmal verbunden sein mit den Arbeitsberichten der jeweiligen Abteilungen. Die Synode wird dann über die Ergebnisse des KSV und der Arbeitsgruppe „Priorisierung“ beraten und Entscheidungen fällen, wie das Gesicht des Kirchenkreises in Zukunft aussehen soll.

Der Gottesdienst zum Auftakt der Synode in der Ev. Kirche Aldenrade (Friedrich-Ebert-Str. 139 in Duisburg-Walsum) wird dieses Mal von den Prädikantinnen und Prädikanten im Kirchenkreis vorbereitet. Damit betont der Kirchenkreis auch in diesem Bereich: Die Kirche wird bei weniger werdenden Pfarrerinnen und Pfarrern zukünftig neue Wege gehen bei der Auslegung der Heiligen Schrift und wird verstärkt ordinierte Laientheolog*Innen mit der Aufgabe der Verkündigung beauftragen.

Im Rahmen des Gottesdienstes wird es bei der diesjährigen Synode eine Verabschiedung und mehrere Amtseinführungen geben. Verabschiedet wird nach 42-jähriger Tätigkeit in der kirchlichen Verwaltung Kirchen-Oberverwaltungsrat Wolfgang Röhl. Er war zuletzt Leiter der Superintendentur im Ev. Kirchenkreis Dinslaken. Eingeführt werden Alexandra Schwedtmann und Nicole Mehring als Geschäftsführerinnen des Diakonischen Werkes Dinslaken. Außerdem haben zwei neue Pfarrer im Kirchenkreis ihren Dienst aufgenommen: Antje Reichow als Pfarrerin für die Justizvollzugsanstalt Dinslaken und Reinhard Harfst, der mit einer halben Stelle die Kirchengemeinde Gahlen (Bezirk Dorsten-Hardt) unterstützt und zusätzlich pfarramtliche Dienste im ganzen Kirchenkreis versieht.

„Stifte machen Mädchen stark“ - eine Aktion des „Weltgebetstag der Frauen“

Diakonie Dinslaken und die Ev. Frauenhilfe vor Ort unterstützen die Aktion mit einer Sammelstelle an der Wiesenstr. 44 in Dinslaken

Die Diakonie Dinslaken sammelt wieder. Nach den guten Erfahrungen mit der Handysammelaktion im vergangenen Jahr unterstützt die Diakonie Dinslaken nun eine Sammelaktion, auf die die Ev. Frauenhilfe hingewiesen hat:

Seit Kriegsbeginn in Syrien sind über eine Million Menschen ins Nachbarland Libanon geflohen. Viele Kinder gehen seit Jahren nicht mehr zur Schule. Ein Team aus LehrerInnen und PsychologInnen gibt durch Unterricht und Therapie in einem Flüchtlingscamp im Libanon nun knapp 200 Mädchen (und auch einigen Jungen) wieder Hoffnung.

Das Deutsche Komitee des Weltgebetstags der Frauen sowie die Ev. Frauenhilfe unterstützen diese Initiative mit einer Sammlung leerer Schreibgeräte. Diese gebrauchten Schreibmaterialien werden recycelt, was ganz nebenbei auch für die Umwelt ein Gewinn ist. Pro Stift erhält die Weltgebetstagsaktion einen Cent und mit 450 Stiften kann zum Beispiel ein Kind mit Schulmaterial ausgestattet werden. Das ist eine Tür in eine bessere Zukunft. Der gesamte Erlös kommt den 200 syrischen Mädchen im libanesischen Flüchtlingscamp zu Gute.

Die Diakonie Dinslaken hat in ihrem Haus an der Wiesenstr. 44 in Dinslaken nun einen Sammelkarton aufgestellt. In dieser Box werden gesammelt: Kugelschreiber, Gelroller, Marker, Filzstifte, Druckbleistifte, Korrekturmittel, Füllfederhaiter und Patronen (Plastik- und Metallstifte).

In die Box dürfen nicht: Klebestifte, Radiergummis, Lineale, Bleistift und Scheren.

Die Aktion läuft noch bis Ende 2018.

Die Materialien können zur Öffnungszeit der Diakonie dort abgegeben werden:
Mo - Fr 09.00 - 12.00 Uhr; Mo - Do 14.00 - 16.00 Uhr

Nähere Informationen unter: https://weltgebetstag.de/aktionen/stifte-machen-maedchen-stark/

Neue Teamkoordinatorin bei der Drogenberatung Dinslaken

Seit dem  1.7.18 arbeitet Christina Biederbeck als Teamkoordinatorin bei der Drogenberatung, die Ihren Sitz im Haus der Diakonie an der Wiesenstr. 44  hat. Schon während ihres Studiums war sie im Arbeitsbereich des Ambulant Betreuten Wohnens der Diakonie tätig. Ab 2011 arbeitete Sie als Diplom Sozialpädagogin für drei Jahre in der Sozialen Beratung, der Schulsozialarbeit und betreute den wellcome Standort in Dinslaken. Nach knapp vier Jahren Tätigkeit  in einem Sozialunternehmen mit Büro in Düsseldorf kehrt sie nun zur Diakonie Dinslaken zurück.

Hier übernimmt Sie die Stelle von Stefan Sondermann und ist zu gleichen Teilen für die Suchtprävention und die Psychosoziale Begleitung substituierter Drogenabhängiger zuständig.

Bei der Suchtprophylaxe, die sich unter anderem an Eltern, Schulen, pädagogische Fachkräfte sowie interessierte Multiplikatoren wendet, arbeitet sie mit Jonas Egelkraut aus dem Team der Drogenberatung zusammen.

Im Bereich der Psychosozialen Begleitung hat sie zwei langjährig erfahrene Kollegen an ihrer Seite: Ralf Heyden und Martina Paduch, die ebenfalls beide Suchtmittelabhängige beraten und begleiten, die mithilfe von Methadon oder anderen Stoffen substituiert werden. Die Beratung beschränkt sich jedoch nicht nur auf den Bereich der Unterstützung Substituierter. Sie richtet sich unter anderem auch an Familienangehörige, die Hilfe und Information suchen. Dabei ist das Spektrum der „Suchtmittel“ breit gestreut: Es umfasst sowohl die sog. stoffgebundenen Süchte (Cannabis, Ecstasy u.a.) als auch die stoffungebundene Süchte wie Medienabhängigkeit oder Essstörungen.

Christina Biederbeck freut sich sehr auf Ihre neuen Arbeitsgebiete und auf eine gute Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Kooperationspartnern der Drogenberatungsstelle.

Kontakt:

Drogenberatung, Haus der Diakonie Wiesenstraße 44, 46535 Dinslaken, Tel. 02064 4347 15

Foto: Levin

Das Team der Drogenberatung Dinslaken

BU: v.li: Ralf Heyden, Bärbel Schibisch, Christina Biederbeck, Jonas Egelkraut, Martina Paduch

Neue Gesichter und neue Standorte bei Diakonie und Kinderwelt

Superintendent Friedhelm Waldhausen im Interview zu Umstrukturierungen im Evangelischen Kirchenkreis Dinslaken

Levin: Herr Superintendent, zum Jahresbeginn hat sich bei der Diakonie Dinslaken einiges getan. Ebenso bei der Ev. Kinderwelt. Was ist neu?

Waldhausen: In den letzten Jahren wurden Diakonie und Kinderwelt beide von einer Person geleitet. Nach dem Weggang von Arnd Rutenbeck, dem bisherigen Leiter, der beide Einrichtungen in Personalunion geleitet hat, haben wir strukturelle Veränderungen vorgenommen: Diakonisches Werk und Kinderwelt haben ab 1. Februar jeweils eigene Leitungen.

Levin: Gibt es neue Gesichter in der Leitung der beiden Abteilungen des Kirchenkreises?

Waldhausen: Ja und nein. Wir haben die Leitungspositionen zum Teil intern nachbesetzt, da fachlich gut qualifizierte Personen schon da sind und mit unseren Strukturen gut vertraut sind. Die Geschäftsführung des Diakonischen Werkes (DW) übernimmt die bisherige Stellvertreterin des Geschäftsführers, Frau Alexandra Schwedtmann. Sie arbeitet seit vielen Jahren als Diplom-Sozialpädagogin in der Sozialen Beratung der Diakonie und war auch seit 11 Jahren schon stellvertretende Geschäftsführerin. Ihre ständige Stellvertretung wird Nicole Mehring sein. Auch sie ist Diplom-Sozialpädagogin. Sie ist – neben der Stellvertretung für Frau Schwedtmann - ab sofort zuständig für den Bereich Fundraising beim Diakonischen Werk. Sie ist das neue Gesicht im Leitungsteam der Diakonie, weil sie erst seit letzten Sommer für uns tätig ist.

Levin: Bei der Diakonie setzen Sie also auf eine Mischung aus einer bewährten und einer neuen Kraft. Und bei der Kinderwelt?

Waldhausen: Da haben wir uns für eine ähnliche Kombination entschieden: Geschäftsführer der Ev. Kinderwelt (KiWe) ist ab sofort unser Geschäftsführer des Verwaltungsamtes, Herr Reimund Schulz. Er erhält diese Aufgabe dazu. Als Diplom-Betriebswirt ist bei ihm die geschäftliche Leitung unserer Kindertageseinrichtungen in guten Händen. Pädagogische Leiterin ist die Diplom-Sozialpädagogin Monika Engfer. Sie ist das neue Gesicht im Kirchenkreis. Seit dem ersten November ist sie bei uns tätig und wird die KiTas in den Gemeinden in ihrem pädagogischen Auftrag beraten und unterstützen. Herr Schulz und Frau Engfer werden in enger Zusammenarbeit die Leitung unserer 18 Kindertageseinrichtungen gestalten.

In beiden Abteilungen haben wir mit diesen Besetzungen eine Zuspitzung des Profils vorgenommen: bei der Kinderwelt ist ein deutlich pädagogischer Schwerpunkt gesetzt, bei der Diakonie ein sozialarbeiterischer. Damit sind beide Abteilungen gut neu aufgestellt für die Zukunft.

Levin: So weit die personelle Neuaufstellung im Kirchenkreis. Es gibt aber auch räumliche Veränderungen. Welche?

Waldhausen: Wir haben unsere Standorte für die Diakonie erweitert. Bislang waren wir mit mehreren Beratungsangeboten im Haus der Diakonie an der Wiesenstraße vertreten, mit dem Beratungszentrum Café Komm an der Duisburger Straße und mit dem Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge am Bahnhofsplatz 4-6. Dort ist seit dem 1.2. in den Räumen der ehemaligen Bahnhofsapotheke nun auch das Café Komm heimisch mit der Arbeitslosenberatung, der Sozialen Beratung, der Schuldner- und Insolvenzberatung. Der zweite neue Standort ist in Hiesfeld in den ehemaligen Räumen der Diakoniestation an der Sterkrader Str. 277. Dort finden Ratsuchende jetzt die Mitarbeitenden des Ambulant Betreuten Wohnens und der Jugendhilfe. Die offiziellen Eröffnungen für beide neue Niederlassungen stehen aber noch aus. Sowohl am Bahnhof, als auch in Hiesfeld sind wir nun an zwei sehr zentralen Orten neu präsent. Ähnlich wie mit unserem langjährigen Haus der Diakonie an der Wiesenstraße. Ich bin sehr froh, dass es uns gelungen ist, mit diesem neuen Standorten so nahe bei den Menschen zu sein, für die wir unsere Angebote vorhalten.


Foto: v.l. Friedhelm Waldhausen (Superintendent), Susanne Jantsch (für die Diakonie zuständige stellvertr. Superintendentin), Nicole Mehring (ständige Stellvertretung DW), Monika Engfer (Pädagogische Leitung KiWe), Reimund Schulz (Geschäftsführer KiWe), es fehlt krankheitsbedingt: Alexandra Schwedtmann (Geschäftsführerin DW)

Kirche neu denken - Synode des Ev. Kirchenkreises Dinslaken tagte in Götterswickerhamm

Die Veränderungen, vor denen die Evangelische Kirche und damit auch der Kirchenkreis Dinslaken stehen, sind immens. Dieses Thema zog sich wie ein roter Faden durch die Verhandlungen der Kreissynode am 10. Und 11. November im Götterwickerhammer Gemeindehaus.

Schon im Bericht des Superintendenten zu Beginn der zweitägigen Verhandlungen des Kirchenparlamentes klang es an: Superintendent Friedhelm Waldhausen wies auf den eklatanten Nachwuchsmangel bei Theologinnen und Theologen hin. Er führte der Synode vor Augen, dass in 5-6 Jahren, wenn die geburtenstarken Jahrgänge der Pfarrerschaft in den Ruhestand gehen, die Kirchengemeinden „um die wenigen Bewerberinnen und Bewerber konkurrieren werden. Das wird die bisherige Autonomie der Gemeinden bei der Pfarrwahl infrage stellen. Waldhausen fragte: „Wie viel Steuerung ist angesichts dieser erwarteten Entwicklung nötig? Und…in wessen Verantwortung soll diese Steuerung liegen?“ Fragen an die presbyterial-synodale Struktur der rheinischen Kirche.
?Auch Oberkirchenrätin Barbara Rudolph, die neue Kirchenkreisbegleiterin für den Kirchenkreis Dinslaken seitens der Kirchenleitung in Düsseldorf, griff in ihren Worten an die Synode die anstehenden gewaltigen Veränderungen der Kirche auf: „Wir müssen uns deutlich machen: Wir werden an Personen, Finanzen und Einfluss kleiner werden.“ Auch die Frage einer gerechteren Verteilung der Kirchensteuern sei kein Tabu. Der bisherige Finanzausgleich zwischen den Kirchenkreisen der Rheinischen Landeskirche werde überprüft: danach geben Kirchenkreise mit höherem Steueraufkommen einen Teil ihrer Mehreinnahmen an „ärmere“ Kirchenkreise ab, behalten aber immer noch einen Teil ihrer höheren Einnahmen für sich. Wäre da eine völlig gleiche Zuweisung der Steuern an alle Kirchenkreise nicht gerechter? fragte  die Oberkirchenrätin. Ende der Diskussion offen.
Gegen die Umverteilung der Kirchensteuern an ärmere Kirchenkreise regt sich schon jetzt bei manchen Gemeindemitgliedern Unmut. Die Meinung: „Ich spende mein Geld lieber an kirchliche Projekte, die ich mir selber aussuche, anstatt Kirchensteuern zu bezahlen“ ist längst keine Seltenheit mehr. Doch diese Haltung stößt bei einigen Synodalen auf scharfe Kritik. Sie fragen: Ist das nicht eine Art von modernem Ablass, wenn ich mich aus der Solidargemeinschaft ausklinke und mich freikaufe von der Steuerpflicht durch Spenden? Geht über dieses Pochen auf Individualität nicht der kirchliche Auftrag zur Solidarität verloren?
Um angesichts dieser massiven Veränderungen den Kirchenkreis zukunftsfähig aufzustellen, beauftragte die Synode den Kreissynodalvorstand, also die ständige Vertretung der Synode, mit der Bildung einer Arbeitsgruppe, die Schneisen für die Zukunft schlagen soll: In welchen Handlungsfeldern soll der Kirchenkreis sein Engagement beibehalten, wo muss etwas verändert werden und welche Handlungsfelder sollen zukünftig eingeschränkt oder eingestellt werden? Die Arbeitsgruppe soll bis zur Herbstsynode 2018 der Synode Ergebnisse zu Beratung vorlegen.
Bei zwei Arbeitsfeldern sprachen die Synodalen sich schon in diesem Jahr für eine weitere Unterstützung aus: Das Psychosoziale Zentrum Niederrhein am Dinslakener Bahnhof, in dem Flüchtlinge und Migranten beraten werden, soll für zwei weitere Jahre mit jährlich 15.000 € finanziell unterstützt werden. Und die Einrichtung einer refinanzierten Pfarrstelle in der JVA-Dinslaken (Umfang 25%) wurde von der Synode positiv entschieden. Diese Stelle wird Pfarrerin Antje Reichow ab 1.2.2018 übernehmen. Mit einer weiteren Viertelstelle wird sie gemeindliche Aufgaben im Kirchenkreis übernehmen.
Alle anderen Tagesordnungspunkte der Synode waren eher Routine: Die Verhandlungen des neuen Haushaltes für Kirchenkreis, Diakonie und Kinderwelt und die Kenntnisnahme der Tätigkeitsberichte aus den Kirchengemeinden, den diakonischen Handlungsfeldern, der Kinderwelt, den Fachausschüssen und den synodalen Arbeitsfeldern vom christlich-islamischen Gespräch bis zur Telefonseelsorge.

Ruth Levin

Foto ekir.de